Kurz gesagt
Der Fachkräftemangel ist vor allem demografisch getrieben: Es gehen mehr Menschen in Rente, als nachrücken. Betroffen sind besonders Pflege, Handwerk, IT und der MINT-Bereich. Für Arbeitgeber liegt der Hebel weniger im Klagen als im Handeln — schnellere Prozesse, Weiterbildung der eigenen Leute, aktive Ansprache und eine attraktive Arbeitgebermarke.
Die Ursachen
Die wichtigste Ursache ist demografisch und lässt sich nicht wegdiskutieren: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, und es rücken schlicht weniger jüngere Menschen nach. Dazu kommt ein Wandel der Anforderungen. Die Digitalisierung verschiebt die gefragten Qualifikationen schneller, als das Bildungssystem sie nachliefert, sodass ein Mangel an Spezialisten neben einem Überangebot an anderer Stelle bestehen kann. Verschärft wird das durch regionale Unterschiede und dadurch, dass viele offene Stellen gar nicht am fehlenden Willen, sondern an fehlender Passung scheitern.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Fachkräftemangel und Arbeitskräftemangel. Beim Fachkräftemangel fehlen konkret qualifizierte Menschen für bestimmte Berufe, während beim Arbeitskräftemangel generell Hände fehlen. Für die Suchstrategie macht das einen großen Unterschied.
Welche Branchen es besonders trifft
Am deutlichsten spürbar ist der Mangel dort, wo Arbeit nicht ins Ausland verlagert oder automatisiert werden kann. Die Pflege und das Gesundheitswesen stehen seit Jahren an der Spitze, dicht gefolgt vom Handwerk und den technischen Berufen. Auch in der IT und im gesamten MINT-Bereich übersteigt die Nachfrage das Angebot seit Langem. Für Unternehmen in diesen Feldern ist der Wettbewerb um Personal längst zum entscheidenden Engpass geworden, oft mehr als die Auftragslage selbst.
Was Arbeitgeber jetzt tun können
Der wirksamste Schritt ist unspektakulär: schneller und angenehmer werden im eigenen Prozess. Wer Bewerbungen wochenlang liegen lässt, verliert die Guten an schnellere Wettbewerber. Ebenso wichtig ist der Blick nach innen, denn die eigenen Leute weiterzubilden ist oft schneller als die Suche am leeren Markt, wie der Ratgeber Personalentwicklung zeigt. Wer aktiv sucht statt nur zu inserieren, erreicht über Active Sourcing auch die vielen, die gar nicht auf Jobsuche sind.
Darüber hinaus zahlen sich Investitionen in die Arbeitgebermarke aus: flexible Arbeitszeitmodelle wie die 4-Tage-Woche, eine ehrliche Außendarstellung und ein guter Ruf ziehen Bewerbungen an, ohne dass jede einzeln teuer erkauft werden muss. Reicht die eigene Kapazität nicht, übernehmen eine Recruiting-Agentur oder ein spezialisierter Personalvermittler die Suche. Klagen über den Mangel ändert nichts; wer an diesen Stellschrauben dreht, besetzt seine Stellen trotzdem.